Twielenfleth

Twielenfleth

 

Das Leuchtfeuer Twielenfleth wurde 1893 als Leitfeuer der Unterelbe am äußeren Deichfuß nahe des heutigen Leuchtturms Twielenfleth als Eisenturm erbaut. Das Wärterhaus war über eine Brücke von der Deichkrone zu erreichen. Auf den damaligen Leuchtfeuern brannte statt des bisher verwendeten Rüböls Petroleum in rund- und hohldochtigen Lampen. Diese wurden dadurch verbessert, daß man mehrere konzentrische Dochte zur Verstärkung der Lichtquelle anbrachte. Um die Kennung, das heißt die Verdunkelung des Feuers zu erzielen, stülpte man, auch beim Twielenflether Leuchtfeuer, einen Überzylinder aus Aluminiumblech, taktmäßig gesteuert durch ein Uhrwerk, über das Licht. Schon bei der Inbetriebnahme des Feuers 1893 hatte man zur Polarisierung des Lichtes je 2 für damalige Ver-hältnisse moderne Gürtellinsen eingebaut, um eine weitere Verstärkung der Licht-quelle zu erreichen.

 

Ab 1897 war der Turm Unterfeuer der Richtfeuerlinie Bassenfleth - Twielenfleth. Das Oberfeuer Bassenfleth  war ein 1896/97 erbauter 37 m hoher sechseckiger Gitterturm mit runder Laterne und Mittelrohr auf einem steinernen Sockel. Türme dieser Bauart stehen heute noch auf Krautsand, in Grünendeich, Somflether Wisch und in Wedel bei Hamburg die Richtfeuerlinie Wittenbergen-Tinsdal.

Nach Verlegung des Fahrwassers an die Nordseite des Julsmittelgrundes wurde das Feuer 1908 Quermarkenfeuer und ab 1927 Leitfeuer für die Stromkrümmung Stadersand. Das Feuer schien elbabwärts weiß im Fahrwasser und führte aus der Richtfeuerlinie Bassenfleth-Stadersand-Feuer in die Feuerlinie Bützflehter Sand. Es zeigte elbaufwärts fahrenden Schiffen durch Änderung von grün in rot den Ort der Kursänderung aus der Linie Mielstack-Somfletherwisch in die Linie Bützflether Sand-Feuer.

 

1925 wurde die Lichtquelle des Leuchtfeuers in ein Flüssiggasfeuer umgewandelt. Da diese Anlage mit einer Zünd- und Löschuhr mit astrologischer Verstellung verse-hen war, konnte man auf die Dauerüberwachung durch einen Wärter verzichten. Erst 1960 wurde das Leuchtfeuer an das elektrische Überlandnetz angeschlossen. Die Reservelichtquelle war zunächst ein ferngezündetes Propangasfeuer, das später durch eine automatische Lampenwechselvorrichtung ersetzt wurde. Im gleichen Jahr wurde in Stadersand eine zentrale Überwachungsstelle errichtet, die neben den Richtfeueranlagen Bützfleth und Stadersand auch das Leitfeuer Twielenfleth steuerte und kontrollierte.

 

Während man früher für jedes Leuchtfeuer mehre Wärter benötigte, entfielen mit dem Fortschritt der Technik dessen Aufgaben. Als letzter Leuchtturmwärter war in Twielenfleth Adolf Schättiger tätig, der zuletzt für die gesamte Leuchtfeuergruppe Stadersand zuständig war.

Bei einer Deicherhöhung 1965 wurde das Feuer auf einen höheren Sockel gestellt und erhielt eine Treppe zum Besteigen der Laterne, Die Feuerhöhe änderte sich von 7 auf 9 m über dem Boden. Das Feuer war 12 Seemeilen weit sichtbar. Wegen Fahrwasserveränderungen wurde das Feuer am 12. Oktober 1984 gelöscht und durch einen modernen Feuerträger ersetzt. Dem Heimat- und Mühlenverein Twie-lenfleth ist es zu verdanken, daß das Feuer nach seinem Abbruch am 26.11.1984 nicht der Schrottpresse zum Opfer fiel. es steht heute hinter dem Deich als technisches Denkmal.

 

Im Innern des Turmes befindet sich eine Schiffmodell-Ausstellung, außerdem wird die Schiffahrtsgeschichte von der Zeit der Inbetriebnahme des Turmes 1893 bis zum Ende des Leuchtbetriebes 1984 darstellt wird. Sämtliche Modelle sind im einheitlichen Maßstab (1:1250) gebaut, so daß die Größenverhältnisse gut vergleichbar sind.. Die dargestellten Schiffe haben die unterschiedlichsten Verwendungszwecke auf See erfüllt. Ihr Name, die wichtigsten Maße und technischen Daten, ihre Funktion und - wo die der Erwähnung Wert erschien - auch ihre Schicksale sind jeweils kurz beschrieben worden. Damit bietet sich dem Betrachter ein Bild von der Entwicklung der Schiffahrt im 20. Jahrhundert. Dieser Überblick wird durch die ausgestellten Plä-ne, Risse und Karten sowie durch die sonstigen Exponate abgerundet werden.

 

Twielenfleth

Das heutige Leitfeuer Twielenfleth wurde ursprünglich 1972 bei Bützfleth gebaut und erst am 2. Oktober 1984 auf seinen jetzigen Standort umgesetzt. Der aus glasfaser-verstärktem Kunststoff bestehende Turm hat eine Höhe von 15 m und die Gürtel-leuchte vom ehemaligen Leuchtfeuer Twielenfleth wurde in diesen Turm wieder eingebaut. Die vorherige Bezeichnung des Leuchtturmes an seinem alten Standort war Kahlersand.